Unser Chefredaktor hat mit seinem Team von Schreibern wiederum ein Heft voller interessanter Artikel zusammengestellt. Von der Schellack-Archivierung über Schallplattenbürsten bis zu Psychedelischer Musik reichen die Themen. Auch über vergangene wie auch zukünftige Anlässe wird berichtet. Auf unserer Heftseite finden sich das Inhaltsverzeichnis und können einige Artikel als PDF gelesen werden.
Nachdenken mit Enzo – oder die ideale Stereobasis
Nicht nur Christian Wenger denkt haarscharf nach. Auch Enzo Schricker macht sich Gedanken. Gedanken zu den Gedanken von Christian. Kompliziert? Vielleicht, aber ich mag seine Musiktruhe. (U.W.)
von Enzo Schricker
Da sind die pickelgesichtigen Vinyl-Fans, ähnlich aussehend, wie wir damals, die sich neuerdings auf ähnlich fragwürdige Plattenspieler stürzen, wie wir das früher ebenfalls getan haben. Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Den Luxus allerdings, für einen solchen 300 Stutz auf den Ladentisch zu werfen, davon konnten wir allerdings nur träumen. Ein Drittel davon war das Höchste, was wir uns damals auch nur vorzustellen wagten.
Mein Einstieg: die Stereo(!)-Musiktruhe meiner Mutter. Diese stellten übrigens die Vorläufer moderner HiFi-Geräte dar. Diese Truhe aus den späten 50er-Jahren habe ich aus purer Dankbarkeit vor mehreren Entsorgungsvorgängen gerettet und bis heute aufbewahrt. Denn sie hat mir den Zugang zu den frühesten Stereo-LPs (!) möglich gemacht. Sie läuft übrigens heute noch. Ich sass am Boden und steckte meine Füsse unter ihr hindurch. Wenn diese die Rückwand berührten, erlebte ich eine optimale Stereobasis. So war das damals!
Die Worte "RIAA-Entzerrung", "Impedanz", "Kapazität" oder gar "Nachgiebigkeit des Nadelträgers" konnten wir damals nicht einmal korrekt aussprechen und uns natürlich auch nichts darunter vorstellen. Aber eben: auch "Zwerge haben klein angefangen" (Zitat von Werner Herzog). ALLE werdenden Fans müssen derart winzig in unser Hobby einsteigen.
Freilich gibt es den Massenkonsum, industrielle Grossproduktionen machen es möglich. Da sehe ich allerdings keinen Kulturbolschewismus, denn dieser sieht vielleicht schön aus, funktioniert aber nicht (das ist historisch belegt). Der Kapitalismus funktioniert jedoch ziemlich gut, einige mögen leider sagen.
Für die "Vinyl-Hunnen" möchte ich mich einsetzen, um Gnade und Nachsicht bitten. Um jene, die von einer gnadenlosen Pop-Industrie pausenlos zwangsernährt werden (man höre sich einmal versuchsweise in die 95% der Radiostationen hinein), wo zunehmend Plastination herrscht, was heissen mag, dass nicht nur äusserlich Alles immer massiver aus Plastik hergestellt wird, sondern auch innerlich.
Lernen: in unserem schönen Hobby besteht die Möglichkeit, nicht nur die technischen Aspekte zu erfassen, was durchaus Jahre in Anspruch nehmen kann, sondern auch die qualitativen. Was Musik überhaupt ist und was sie in uns zu bewirken imstande ist.
Legendär
von Urs Witschi
Legendär sind die Plattenabende bei Peter Jahn in Herzogenbuchsee. Mehrmals im Jahr lädt Peter zu einem Plattenabend bei sich im gemütlichen und geschmackvoll renovierten Altbau ein. Wer mag darf gerne seine Lieblingsplatten mitbringen und auf der hervorragend klingenden Anlage von Peter hören.
Jeder Anlass hat denn auch ein Goodie, dieses mal kann man neben der «hauseigenen» Boenicke W8 die kleine Boenicke W5 hören – und das im grossen Hörraum von Peter.
Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
Weitere Infos zum Anlass und wie ihr euch anmelden könnt, findet ihr hier im PDF von Peter.
Vinyl-Hunnen
Nachdenken mit Christian
von Christian Wenger
Alleine in den USA wurden 2018 knapp 10 Millionen Schallplatten verkauft, 12% mehr als noch in 2017. Die weltweiten Zahlen sind nicht zu erfahren, dafür gibt es nicht genügend verlässliche Quellen. Doch dürfte Europa mit den USA etwa gleich aufliegen. Einwohnerzahl, Kaufkraft, kulturelle Präferenzen und die Geschichte des Tonträgers sind sehr ähnlich. Der Vinylboom hält an. Die meist verkauften Alben fallen auf Pop-Klassiker: Michael Jakson, Fleetwood Mac oder Prince.
Für uns Graurücken, Vinyl-Liebhaber alter Schule, ist das eine sehr erfreuliche Nachricht. Oder doch nicht? Wir haben es ja schon immer gewusst (bloss hörte man uns nicht) und nun stehen wir da und sehen Horden pickelgesichtiger Vinyl-Fans mit leuchtenden Augen auf uns zustürmen wie einst die Hunnen. Dabei haben die Typen ja keine Ahnung von Plattenspielern. Meinen die wirklich, man könne sich einfach einen beliebigen Dreher für 300 Stutz posten und dann ist man dabei? So ein buntes Brett und dann noch mit Bluetooth? Und was die alles erzählen von wegen, dass es so schön natürlich und warm klingen würde. Nein, so einfach ist das nicht, wie die denken.
Das ist viel komplizierter und man muss eine Menge Erfahrung sammeln bis man durchblickt. Der Antrieb zum Beispiel oder die Masse des Tonarms im Vergleich zur Nachgiebigkeit des Nadelträgers. Dann die ungeheuer anspruchsvolle Anpassung der Vorstufe. – Impedanz, Kapazität und das Mysterium der Entzerrung. Das braucht schon was. Wir haben schliesslich nicht zwei Jahrzehnte an unseren Plattenschwirbeln herumgebastelt, damit Vinyl jetzt plötzlich zum Massenmedium trivialisiert wird. Wir lassen diesen Kulturbolschewismus nicht zu! Nicht mit uns!
Überhaupt würde es ohne uns gar nicht so unglaublich gut klingen. Wir, die Bewahrer der analogen Kultur. Wir, die wir keinen Stein auf dem anderen liessen. Wir, die wir jedem Hersteller und seinen Innovationen misstrauten und stets darauf verwiesen, dass früher, in den 1960/1970ern alles besser war, mit ein wenig Nachhilfe natürlich. Das war schon ein toller Antrieb mit Reibrad beim alten Lenco, aber nicht mit der Zarge. Wo denken sie bloss hin? Das ist doch erst der Anfang des beschwerlichen Wegs, den wir alle hinter uns haben. Man kann doch nicht einfach einen Plattenspieler kaufen und glauben, man wäre dann am Ziel. «Haben Sie sich schon einmal mit der Innenverkabelung Ihres Tonarms befasst? – Noch nicht? Okay, bei dem Tonarm brauchen Sie das auch nicht».
Ich glaube, die «Vinyl-Hunnen», die da auf uns zustürmen, werden uns gar nicht bemerken.
Beryllium
Nachdenken mit Christian
von Christian Wenger
Ich habe eine Geschichte auf Lager, die sich exakt so ereignet hat, wie ich sie erzähle.
Die Hauptperson ist ein ausgesprochen kluger Entwickler von Audiosystemen. Sein IQ soll um 170 liegen und wenn ich mit ihm spreche, muss ich mich warm anziehen. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen.
Er hat ein am Markt erfolgreiches Lautsprechersystem entwickelt und setzt im Hochtonbereich einen sehr hochwertigen Treiber ein, der über eine Kalotte aus Aluminium verfügt. Der Kalotten-Hochtöner passt zudem sehr gut in die Kostenrechnung: Er ist nicht zu kostspielig und verfügt über ein gutes Preis-Leistungsverhältnis.
Der Hersteller des Treibers gehört zu den profiliertesten Herstellern in diesem Bereich. Man findet seine Treiber in vielen Lautsprechern im deutlich gehobenen Qualitätssegment. Das teuerste Modell bei den Kalotten-Hochtönern verfügt über eine Kalotte aus Beryllium. Das seltene Metall steht in der Wertschätzung ambitionierter Musikhörer mit Technik-Affinität klar über dem, eher gewöhnlichen, Aluminium.
Der Held meiner Geschichte war neugierig. Die beiden Metalle weisen sehr ähnliche Eigenschaften auf, was schon ein Blick auf das Periodensystem der Elemente verdeutlicht. Er verglich den 10 Mal teureren Beryllium-Hochtöner mit dem Aluminium-Typen. Die Ausgangslage für den Vergleich war sehr präzise. Die beiden Treiber wurden eingangs linearisiert und der Pegel war identisch.
Es klang tatsächlich eine schöne Nuance besser mit Beryllium doch mein Hauptdarsteller war sich nicht sicher, ob der Unterschied eine Folge des Materials ist. Er verglich die Konstruktion der beiden Treiber und stellte fest, dass der Beryllium-Kalotten-Hochtöner gegenüber dem Aluminium-Typen, eine andere Geometrie aufweist. Das leuchtete ihm ein. Er fand die Geometrie, also die Form der Kalotte, besser geeignet.
Der Antrieb, bestehend aus Schwingspule und Magnetsystem war ohnehin identisch. Er überlegte sich eine geringfügige Änderung bei der Schwingspule. Schliesslich sprach er mit dem Hersteller und erkundigte sich nach einem Versuchsmuster mit Alu-Kalotte übereinstimmender Geometrie mit dem Beryllium-Typen und veränderter Schwingspule. Der Hersteller machte mit.
Das Resultat war aufschlussreich. Der modifizierte Aluminium-Kalotten-Hochtöner erwies sich als klanglich identisch mit dem Typen mit Beryllium-Kalotte. Das Material war nicht die Ursache. Der Hersteller der Treiber bestätigte diese Feststellung. Sie klingen identisch.
Mein Hauptdarsteller setzte diesen Hochtontreiber fortan ein und bezahlt dafür in entsprechenden Mengen keinen Cent mehr als für den Original-Alu-Treiber. Sein Endprodukt wurde verbessert aber nicht verteuert. Der Hersteller der Treiber bekam die Erlaubnis, die Spezifikation der verbesserten Aluminium-Version frei und kostenlos zu verwenden.
Er tut es bis heute nicht.
Unsere Branchenmitglieder jetzt online
Die Liste unserer Branchenmitglieder wurde aktualisiert und ist jetzt auch auf dem neuen Web zu sehen.
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Besuch bei unserem Branchenmitglied Michael Reinhard in der beeindruckenden Soundloft.
Eine warme Empfehlung
Am kommenden Samstag ist es soweit, die nächtes AAA-Veranstaltung findet bei Vovox in Kriens statt. Als Highlight wird uns Hank Shizzoe einige Perlen aus seinem kommenden Album «Steady as we go» kredenzen. Ich freue mich schon sehr, weil ich weiss, was da auf uns zukommt, denn ich hatte das Vergnügen Hank schon anlässlich einer Accoustic Night im «Alten Spital» in Solothurn zu hören. Warum ich das schreibe? Weil das eine wunderbare Überleitung zu Tom Krailing ist.
von Urs Witschi
Der Abend war nämlich so programmiert, dass zuerst Tom Krailing ein Soloprogramm bestritt und nach der Pause Hank Shizzoe alleine auf der Bühne stand. Tom Krailing habe ich dank Umberto Eleganti von Take Five in Bern kennen gelernt, der mir so ca. 1995 das Doppelalbum «the buffalo ballet» schwerstens empfohlen hat. Ich habe es damals gekauft, sehr wahrscheinlich weil ich das eines der tollsten Covers finde, das man sich in die Sammlung stellen kann.
Zu Hause war ich gespannt, was da in den schwarzen Rillen auf mich wartet. Ich wurde nicht enttäuscht, Tom Krailing war für mich eine Entdeckung. Wer Bob Dylan mag, Folk, Country und Americana, der wird hier glücklich. Tom Krailing wird wohl ein Geheimtipp bleiben, ich halte ihn für einen der besten Songwriter in unserem Land. Er hat mittlerweile einige weitere tolle Alben gemacht, aber – und das hat er mir an diesem Konzertabend verraten – von der Vinyl-Version von «the buffalo ballet» gibt es noch einige Exemplare bei Tom zu haben. Meine wärmste Empfehlung.
Der Abend hat dann mit einem berührenden Duo von Hank und Tom geendet.
Das Frühlingsheft 2019 ist da!
Noch vor Ostern hat unser aktuelles Magazin in die Briefkästen gefunden. Das Inhaltsverzeichnis und einige Artikel als PDF finden sich unter UNSERE ZEITSCHRIFT
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Alle Informationen finden sich unter VERANSTALTUNGEN
